Der dicke Polizist

00:00 Uhr - kleine Bühne

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Was passiert, wenn eine Band nach 24 Jahren vor der Frage „Wo geht die Reise hin?“ steht? Greift sie dann auf Prozesse zurück, die früher schon mal gut waren, aber letztendlich nie zu dem geführt haben, was eigentlich passieren sollte? Oder lässt sie es gut sein, stampft den ganzen Müll ein, kehrt den Staub und die Ideale zusammen, trägt eine Idee zu Grabe und blickt schwermütig auf die lange und erfolgreiche Bandgeschichte zurück?

Nein! Wenn da nicht dieses verdammte Herz wäre. 1993 gegründet, gefühlte Ewigkeiten in einer Szene bewegt, die gar nicht so offen ist, wie man einst glaubte, aber dennoch so viel gegeben hat, dass man ohne sie auch nicht wollte und konnte.

So beschlossen Teile von DDP Mitte 2014, nach dem Ausstieg von Schlagzeuger Carsten Schmidt und Gitarrist Thomas Schmittinger, sich auf die Suche nach neuen Musikern zu machen, die Regler auf Null zu drehen und einen Neustart zu wagen.

Relativ schnell wurden mit Carsten Weidner (Gitarre) und Mathias Hermannspahn (Schlagzeug) neue Leute gefunden. Im Mai 2015 vereinbarte man mit dem Produzenten Kurt Ebelhäuser (u.a. BLACKMAIL, PASCOW, ADAM ANGST, BIONIX) in dessen TONSTUDIO45 ein Demo einzuspielen, um zu hören und zu spüren wie das alles funktionierte. Schnell wurde klar, dass hier durchaus was passierte, was man eigentlich schon für tot geglaubt hatte.

Nachdem man mit der hässlichen Fratze der Gesellschaft konfrontiert wurde, war für DDP die Richtungsweise schnell klar.
Sie sahen die sogenannte Heimatliebe in unserer Republik, die das eigene Scheitern dieser verbergen sollte, in einer unerträglichen Form von absolutem Faschismus und Rassismus begleitet. Sie sahen Menschen, die auf der Flucht unsägliches Leid erfuhren und dann noch mit dumpfem Hass und lauten Parolen „empfangen“ wurden. Sie sahen andere Bands, die die Missstände umkehrten und die dafür gefeiert wurden, dass man „DAS doch bitteschön mal sagen darf“. Was sagen darf? Die menschenverachtenden, verqueren Meinungen der Verlierer der Wohlstandsgesellschaft, denen es trotzdem an nichts als Herz fehlt? Nein! DAS sagen DDP nicht!

Schon mit der Gründung war es stets ein Credo der Band, politische und gesellschaftliche Missstände und die daraus resultierende persönliche Sicht auf die Dinge, in ihren Songs zu spiegeln. So entstand mit NAIVE AUTOMATEN eine moderne, intelligente und dennoch wütende EP, die textlich nie mit dem Zeigefinger voraus, aber mit der Faust nach oben und dem Herz an der richtigen Stelle melodiös und treibend einhergeht.

Heute scheinen DDP ihren Platz gefunden zu haben. Und dieser Platz muss keine Heimat sein. Schon gar nicht die ihre!

Matthias Schwickert (Gesang)
Thorsten Voigt (Gitarre)

Carsten Weidner (Gitarre)

Marco Korbmacher-Buchner (Bass)
Matthias Hermannspahn (Schlagzeug)